Die Suche nach Wahrheit (DE)

Vorwort: Dieser kurze Post soll DICH dazu motivieren nach einem ernsthaften Sinn in deinem Leben zu suchen. Ich will nicht meine persönliche Meinung als fertiges Produkt anbieten, sondern dazu ermutigen, etwas zu tun, was nur sehr wenige Menschen tun: Das eigene Weltbild temporär zur Seite zu legen und es kritisch mit Vernunft zu hinterfragen. Dafür soll dieser Post eine Hilfestellung sein.

Alles ist vergänglich und vergeblich, sagte der Prediger, nichts hat Bestand, ja, alles ist vergebliche Mühe! Der Mensch plagt sich ab sein Leben lang, doch was bringt es ihm ein? Hat er irgendeinen Gewinn davon?

Prediger 1,2

Zu welchem Zweck lebt der Mensch auf der Erde?

Wenn der Mensch zu dieser grundlegenden Frage keine richtige Haltung einnimmt, wird er auch bei den Zielen des Lebens scheitern.

Jeder Mensch besitzt ein Weltbild (kognitives Schema), das er sich über sein Leben hinweg aus Erfahrungen, Erzählungen und Geschichten bildet. Basierend auf diesem Weltbild trifft der Mensch Entscheidungen und kategorisiert (oder verwirft) neue Eindrücke. Auf Nachfrage über den “Sinn des Lebens” kommen häufig vage Aussagen wie:

  • „Mich selbst zu verwirklichen
  • „Essen, Trinken und Spaß haben“ (Hedonismus)
  • „Meine Familie“
  • „Hauptsache man ist gesund“

Leider gewinnt man bei tieferer Nachfrage schnell den Eindruck, dass diese Weltbilder kaum Substanz und Halt in den Stürmen des Lebens bieten – häufig nach Enttäuschungen durch andere Menschen, Krankheit, Eifersucht oder Bitterkeit. Nur den wenigsten Menschen gelingt es, ihr Weltbild in wenigen präzisen Sätzen auszuformulieren. Noch schwerer fällt es einem Menschen sein Weltbild zu verändern, wenn er mit der Wahrheit konfrontiert wird (confirmation-bias).

Ein Mensch ohne einen “Sinn”, also eine konkrete und benennbare Zielgerichtetheit in seinem Leben, spürt, dass etwas nicht richtig ist. Deshalb ist er nicht glücklich, auch wenn er versucht, die Leere mit anderen Aktivitäten zu füllen. Er kann sein Leben so organisieren, dass er nie zu näherem Nachdenken oder Reflektieren kommen wird. Umgeben von Lärm, Anspannung und ständigen Informationen, um nicht daran zu denken, dass er auf dem falschen Weg ist.

Richtig und Falsch

In diesem Zeitalter wurde die notwendige Unterscheidung der Wörter “Richtig” und “Falsch” tödlich verwirrt. Das Resultat davon ist eine Philosophie der Nichtigkeit, dass scheinbar keine ultimative Wahrheit existiert: Der Nihilismus; dass das Leben keinen objektiven Sinn, Wert oder Zweck hat.

Die Wörter “Richtig” und “Falsch” werden austauschbar und beliebig verwendet und stehen auf keinem Fundament der Wahrheit, da diese angeblich nicht existiert.

„Wahrheit? Was ist das überhaupt?“ – Pontius Pilatus (Präfekt des römischen Kaisers)

Ähnlich wie im Atheismus wird in beiden jegliche transzendente, übergeordnete oder gegebene Ordnung verneint. Maximal schafft der Mensch sich den Sinn des Lebens selbst. Hierbei, wenn überhaupt, belassen es viele Menschen. Unter der Annahme, dass diese Weltanschauungen richtig sind, gibt es keinen objektiven Maßstab, höheren Sinn oder absolute Wahrheit.

Augenscheinlich lebt der Großteil der Menschen, welche sich als Atheisten, oder gar Nihilisten, bezeichnen, als gäbe es einen höheren Sinn in ihrem Leben. Sie leben trotz ihrer gegenteiligen Überzeugung, als gäbe es einen höheren Sinn oder objektiven Maßstab in ihrem Leben:

„Zugegebenermaßen gibt es einen praktischen Atheismus, ein Leben ohne Gott in dieser Welt. Aber ein bewusster theoretischer Atheismus im absoluten Sinne, falls es ihn überhaupt gibt, ist selten.“
Bavinck, Herman, et al. Reformed Dogmatics: Prolegomena. USA, Baker Publishing Group, 2003.(Übersetzt)

Die Frage: “Was ist der Sinn deines Lebens und was ist der Beweis dafür, dass er richtig ist?” können diese Menschen – ohne negative Wertung – nicht beantworten. Es ist jedoch auch nicht notwendig. Doch die Unfähigkeit diese Frage zu beantworten, will sich kaum jemand eingestehen. Warum? Vielleicht wirkt die Schlussfolgerung zu nüchtern.

Über sein Leben nachdenken

„Doch dann dachte ich nach über das, was ich erreicht hatte, und wie hart ich dafür arbeiten musste, und ich erkannte: Alles war letztendlich vergebens – als hätte ich versucht, den Wind einzufangen! Es gibt auf dieser Welt keinen bleibenden Gewinn. […] Denn später erinnert sich niemand mehr an den Weisen, genauso wenig wie an den Unwissenden. Wie bald sind beide vergessen – der Tod macht keinen Unterschied!“

Prediger 2,11.16

Viele würden diese Worte des König Salomo aus dem 10. Jhd. v. Chr. als “depressiv” einordnen und ihnen daher keine weitere Beachtung schenken. Viele können länger die Luft anhalten, als über ihr eigenes Leben gründlich nachzudenken. Denn was der damalige Herrscher des Königreichs Israels beschrieb, ist eine perfekte Karikatur ihres Lebens: Ein Versuch den Wind einzufangen.

Gibt es nun EINE Wahrheit? Viele sagen “Ja”, andere “Nein”. Wieder andere Menschen sagen, es gäbe viele Wahrheiten; und jeder hat dabei seine eigene. Daraus würde sich schließen lassen, dass jeder Mensch Sklave seiner eigenen Wahrheit ist und daher auch von niemanden, für das Ausleben dieser, verurteilt werden kann: “Wer bist du um mir zu sagen, was richtig und falsch ist?”

Doch oft sind es, ironischerweiße, genau diese Menschen, die andere für ihre eigenen Wahrheiten kritisieren. Ohne dabei zu realisieren, dass, nach ihrer Weltanschauung, die eigene Wahrheit bei sich selbst aufhört.

Oder wie ein zeitgenössischer atheistischer Ethiker betont:

„Zu sagen, dass etwas falsch ist, weil es von Gott verboten ist, ist für jeden, der an einen gesetzgebenden Gott glaubt, vollkommen verständlich. Aber zu sagen, dass etwas falsch ist, obwohl es keinen Gott gibt, der es verbietet, ist nicht verständlich. Das Konzept der moralischen Verpflichtung ist ohne die Vorstellung von Gott unverständlich. Die Worte bleiben bestehen, aber ihre Bedeutung ist verschwunden.“
Richard Taylor, Ethics, Faith, and Reason (Englewood Cliffs, N.J.: Prentice Hall, 1985), 90, 84. (Übersetzt)

In einer Welt ohne göttlichen Gesetzgeber gibt es kein objektives Richtig und Falsch, sondern nur kulturell und persönlich relative, subjektive Urteile:

„Das bedeutet, dass es unmöglich ist, Krieg, Unterdrückung oder Verbrechen als böse zu verurteilen. Ebenso wenig kann man Brüderlichkeit, Gleichheit und Liebe als gut loben. Denn in einem Universum ohne Gott gibt es weder Gut noch Böse – es gibt nur die nackte, wertfreie Tatsache der Existenz, und es gibt niemanden, der sagen könnte, dass du Recht hast und ich Unrecht.“
Craig, William Lane. Reasonable faith: Christian truth and apologetics. USA, Crossway Books, 2008. (Übersetzt)

Gedankenspiel

Angenommen es gäbe genau eine Wahrheit: Dann würde diese von einem Teil der Menschheit abgelehnt werden, da diese nicht dem eigenen Weltbild entspricht. Ich hoffe, hier würde mir niemand widersprechen. Beispielsweise, wenn

  • sie unangenehm oder zu hart klingt,
  • man schon zu alt ist um seine Meinung zu ändern,
  • man negative Erfahrungen in der Vergangenheit damit hatte,
  • oder der Stolz daran hindert sich einen Irrtum einzugestehen.

Natürlich würde man selbst niemals auf so etwas hineinfallen…

Entweder gibt es keine oder genau eine absolute Wahrheit. Zu sagen, dass es viele Wahrheiten gibt, ist ein Euphemismus dafür, dass es keine absolute Wahrheit gibt. Eine Aussage kann in der selben Hinsicht nicht gleichzeitig zutreffen oder nicht zutreffen: \(\neg (A \land \neg A)\) (ausgeschlossener Widerspruch)

Ein kleines abschließendes Zitat zum nachdenken:

„Ich stellte mir Massen von Menschen vor, die nicht nach der Wahrheit suchten. Diese Massen folgten einem Anführer. Sie glaubten, was der Anführer ihnen zu glauben auftrug. Die Massen suchten nicht selbst nach der Wahrheit. Stattdessen suchten sie andere Dinge: Sicherheit, Sinn, Bedeutung, Liebe. Sie waren nicht einmal bereit, sich zu irren. Anstatt sich der Realität zu stellen, bauten sie eine Schutzmauer um ihren Anführer herum. Unterdessen baute ihr Anführer eine Schutzmauer um ihre Überzeugungen herum. […] Es erfordert Mut, den Beweisen an unbekannte Orte zu folgen.
Rasmussen, Joshua. How Reason Can Lead to God: A Philosopher’s Bridge to Faith. USA, InterVarsity Press, 2019, S. 4. (Übersetzt)

 Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden. Ja, wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, will ich mich von euch finden lassen. Das verspreche ich, der HERR.

Jeremia 29,13-14a

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